

Der Krieg beginnt im Radio
Die Erwachsenen scheinen sehr besorgt zu sein. Manche Frauen weinen. Die Kinder können jedoch nicht begreifen, was vor sich geht – auch Wowa nicht. Was er aber spürt, ist eine große Nervosität. Er fragt sich: Warum? Mit anderen Jungs hatte er immer schon Krieg gespielt und lief mit selbstgebastelten Waffen durch die Gegend – so schlimm kann das wohl nicht sein. Als eines der Mädchen hört, dass der Krieg gekommen sei, fragt es, wieso er denn nicht hereinkomme, falls er schon da sei. Ihre weinende Mutter antwortet nichts. Sie schickt die Tochter stattdessen los, zum Wasserholen. „Wird denn der Krieg schon da sein, wenn ich zurückkomme?“
In Wowas Familie gab es weder Telefon noch Radio. Wenn man etwas erfahren wollte, dann vor allem über das, was andere erzählten – oder über das Radio beim Nachbarn. Der Herr des Hauses – ein gewisser Kolessnikow, soviel sich Wowa erinnert – hatte einen wichtigen Posten beim Metallwerk hier in der Stadt und konnte sich das leisten. Der Radioapparat war groß, schwarz und hing an der Wand. Das Radio lobte die Deutschen und Hitler über den Klee und verbreitete die Vorstellung einer tiefen Freundschaft beider Staaten. Diese deutsch-sowjetische Freundschaft war zwei Jahre zuvor per Vertrag offiziell besiegelt worden und führte dazu, dass – darüber sprach das Radio nicht – beide Mächte mit Gewalt mehrere mittelosteuropäische Länder unter sich aufgeteilt hatten.
An einem heißen Sonntag, dem 22. Juni 1941, stehen alle Fenster offen, auch das in der Wohnung der Kolessnikows. Wie gewohnt, läuft das Radio und die langsame Senderkennung dringt aus dem Lautsprecher, das auf einem Vibraphon gespielte Lied „Weit ist mein Heimatland“. Um 12 Uhr kündigt der Slogan „Govorit Moskwa! Govorit Moskwa!“ („Hier spricht Moskau! Hier spricht Moskau!“) an, dass eine Mitteilung aus dem Kreml folgen wird. In der gesamten Sowjetunion versammeln sich die Menschen, wo sie können, vor dem Radio – in Häusern, in Wohnungen, auf Straßen oder vor einem geöffneten Fenster, wie auch in Wowas Nachbarschaft bei den Kolessnikows. Dann ertönt die blecherne Stimme des Radiosprechers: „Deutsche Truppen haben unser Land überfallen, unsere Grenzen attackiert und (…) Städte bombardiert.“ Another annotation.
Die Erwachsenen scheinen sehr besorgt zu sein. Manche Frauen weinen. Die Kinder können jedoch nicht begreifen, was vor sich geht – auch Wowa nicht. Was er aber spürt, ist eine große Nervosität. Er fragt sich: Warum? Mit anderen Jungs hatte er immer schon Krieg gespielt und lief mit selbstgebastelten Waffen durch die Gegend – so schlimm kann das wohl nicht sein. Als eines der Mädchen hört, dass der Krieg gekommen sei, fragt es, wieso er denn nicht hereinkomme, falls er schon da sei. Ihre weinende Mutter antwortet nichts. Sie schickt die Tochter stattdessen los, zum Wasserholen. „Wird denn der Krieg schon da sein, wenn ich zurückkomme?“
Die Erwachsenen scheinen sehr besorgt zu sein. Manche Frauen weinen. Die Kinder können jedoch nicht begreifen, was vor sich geht – auch Wowa nicht. Was er aber spürt, ist eine große Nervosität. Er fragt sich: Warum? Mit anderen Jungs hatte er immer schon Krieg gespielt und lief mit selbstgebastelten Waffen durch die Gegend – so schlimm kann das wohl nicht sein. Als eines der Mädchen hört, dass der Krieg gekommen sei, fragt es, wieso er denn nicht hereinkomme, falls er schon da sei. Ihre weinende Mutter antwortet nichts. Sie schickt die Tochter stattdessen los, zum Wasserholen. „Wird denn der Krieg schon da sein, wenn ich zurückkomme?“
Damals trug die Stadt den Namen des sowjeti-schen Diktators Josef Stalin. Erst in den 1960er Jahren bekam sie ihren heutigen Namen Donezk.
Das Leben all der Menschen, die hier stehen und das hören, wird sich bald radikal ändern, viele werden fliehen, die meisten Hunger leiden, und viele von ihnen werden sterben. Auch wenn der Krieg für sie in diesem Moment noch irgendwo weit weg scheint. Fortan gibt es für sie nur noch ein Davor und ein Danach.
Gleich vorweg: Wowa wird den Krieg mit sehr viel Glück überleben. Jahrzehnte später wird er als älterer Mann diese Geschichte erzählen, die Geschichte des Krieges und der deutschen Besatzung der Stadt Stalino, die wir heute als Donezk im Donbas kennen. Seine Erinnerungen vom Einfall der Deutschen in seine Heimatstadt hat er in langen Gesprächen geteilt. Und seine Erzählung, wie auch das, was viele andere Zeitzeug:innen aus diesen Jahren berichten, fängt mit dieser offiziellen Mitteilung aus dem Radio an.
Sensibler Inhalt
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Fortan gibt es für sie nur noch ein Davor und ein Danach
Die „wilde Steppe“
Die Erwachsenen scheinen sehr besorgt zu sein. Manche Frauen weinen. Die Kinder können jedoch nicht begreifen, was vor sich geht – auch Wowa nicht. Was er aber spürt, ist eine große Nervosität. Er fragt sich: Warum? Mit anderen Jungs hatte er immer schon Krieg gespielt und lief mit selbstgebastelten Waffen durch die Gegend – so schlimm kann das wohl nicht sein. Als eines der Wowa ist damals noch keine zehn Jahre alt. Sein Vater arbeitet als „Walzbieger“ im Metallwerk. Er ist ein einfacher Arbeiter, der eine Walzmaschine bedient. Sergej Dementjew, wie sein Vater hieß, kam gebürtig nicht von hier aus Stalino. Damals trug die Stadt den Namen des sowjetischen Diktators Josef Stalin. Erst in den 1960er Jahren bekam sie ihren heutigen Namen Donezk.
Damals trug die Stadt den Namen des sowjeti-schen Diktators Josef Stalin. Erst in den 1960er Jahren bekam sie ihren heutigen Namen Donezk.
Die meisten Städte im Donbas bestehen aus „Neuankömmlingen“ wie Sergej Dementjew. Bereits Ende der 1920er Jahre war es nur noch ein Anteil von 16 Prozent der Stadtbevölkerung, die selbst im Donbas geboren worden war. Wowas Vater gehörte zu den Menschen, die 1921 dem sowjetischen Aufruf zum Wiederaufbau des Metallwerks gefolgt waren – des industriellen Herzens von Donezk, das im Zuge des russischen Bürgerkrieges zerstört worden war und zu neuer Blüte gebracht werden sollte. Wowas Familie, Vater Sergej, seine Mutter sowie die großen Geschwister, sein großer Bruder Kolja und seine Schwester NAME??? wohnten nur ein paar Hundert Meter davon entfernt. Ihre Wohnung lag an der südlichen Stadtgrenze, in der kleinen Siedlung Maslowka, die seinerzeit längst eingemeindet worden war.
Der gesamte Donbas nimmt damals eine rasante Entwicklung. Doch, wie Stalino innerhalb von weniger als 80 Jahren zum Industriezentrum eines riesigen Imperiums aufgestiegen war, ist selbst für diese Region einmalig gewesen.
Zu Beginn des deutsch-sowjetischen Krieges lebte hier rund eine halbe Million Menschen.
Die verschwindenden Jungen
Am stärksten ist der Krieg zunächst dadurch zu spüren, dass immer mehr junge Männer die Stadt verlassen – als Soldaten. In Stalino beginnt wie sonst auch allerorts in der Sowjetunion beginnt die Mobilmachung gegen die Deutschen. Das entgeht auch Wowas Kinderaugen nicht.
In den Ferien und nach der Schule streift Wowa mit seinen Freundenanderen Jungs durch die Stadt. Auf einem FußballplatzRund ums am örtliche Militäramt, ganz in der Nähe von Wowas Wohnung, beobachten sie, wie auf einem nahegelegenen Fußballfeld mehrere Lkw aufbereitstehen, außerdem reihenweise Rotarmisten warten., Die tragen zwarin Uniform zwar,aber die meisten keine aber ohne Schuhe. Stattdessen tragen sie Stoffwickel um diean den Füßen. Die Jungs sehen, wie die Soldaten auf die Ladeflächen der Lkw besteigen und weggefahren werden.
Einer dieser der Einberufenen ist auch Wowas älterer Bruder Kolja. E – er gehörte gerade zum jüngsten?zu dem Jahrgang, der einberufen wurde: -geboren 1918. Kolja, er war 23 Jahre alt. Wowa und seine Gemeinsam mit den anderen Jungs laufen läuft Wowa dem Lkw nach, auf dem sein Bruder sitzt, noch hinterher. Er ahnt nichtDamals ahnt er nicht, dass er Kolja nie wieder sehen würdewird.
Auch in Wowasder Schule ist der Krieg präsent. DorthinZur Schule braucht er etwa 15 Minuten zu Fuß, immer am Metallwerk entlang – es ist ein dreistöckiges Gebäude. Neben derdem Schulegebäude steht nun wird eine Flugabwehrkanone aufgestellt. Hin und wieder fliegen kommen deutsche Flugzeuge über die Stadt durch. Im Schulhof ist einhebt man einen Graben ausgehoben.. Dort sollen sich Wowa und seine Mitschüler:innen sollen bei Luftangriffen dort hinrennen und sich rhineinhocken, hat man ihnen gesagt. Diese Gräben sind nur mit Holzbrettern abgedeckt und können wenigstensam Ende höchstens vor Splittern oder kleinen umherfliegendenund Trümmerteilenn schützen; einem direkten Bombentreffer blieben wären die Kinder ausgeliefert.
Die Einberufungen gehen weiter und immer weiter.


Station 02: Hotel Donbas
Die „Neue Ordnung”
In Wowas Familie gab es weder Telefon noch Radio. In Wowas Familie gab es weder Telefon noch Radio.
To the episode






Streifzüge durch eine besetzte Stadt
In Wowas Familie gab es weder Telefon noch Radio. In Wowas Familie gab es weder Telefon noch Radio.








Der Junge, der überlebte
Wie der Donbas als wichtigster Industriestandort der Ukraine 1941 von den Deutschen besetzt wurde

Ankunft
In Wowas Familie gab es weder Telefon noch Radio. In Wowas Familie gab es weder Telefon noch Radio.

Streifzüge durch eine besetzte Stadt
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Streifzüge durch eine besetzte Stadt
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Zwangsarbeit
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Holocaust
In Wowas Familie gab es weder Telefon noch Radio. In Wowas Familie gab es weder Telefon noch Radio.

